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Was Sie zum Coronavirus wissen müssen

Coronavirus: Wie kann man sich schützen? fpm/ Getty Images

Wie lange überdauern die Viren auf Türklinken? Wie merke ich, dass ich infiziert bin? Kann man sich noch mal anstecken, wenn man schon einmal an Covid-19 erkrankt war? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Woher stammt das Virus?

Forscher gehen davon aus, dass Sars-CoV-2 von einem Tier auf einen Menschen übergegangen ist - möglicherweise auf einem Markt in der chinesischen Stadt Wuhan, auf dem viele Wildtiere gehandelt wurden.

Noch ist nicht sicher geklärt, welches Tier das Virus ursprünglich in sich getragen hat. Das Erbgut von Sars-CoV-2 ist aber eng mit Coronaviren verwandt, die Forscher bei Fledermäusen im Osten Chinas gefunden haben. Ausgehend von Fledermäusen könnte der Erreger noch weitere Tiere infiziert haben, bevor er zum Menschen gelangte. Als ein möglicher solcher Zwischenwirt gelten sogenannte Schuppentiere.

 

Wie wird das neuartige Coronavirus übertragen?

Sars-CoV-2 wird von Mensch zu Mensch übertragen. Nach derzeitigem Kenntnisstand gelangen die Viren vor allem über Tröpfchen beim Husten oder Niesen von einer Person zur nächsten. Außerdem kann das Virus indirekt übertragen werden, indem etwa eine infizierte Person in die Hand hustet und einen Gegenstand anfasst. Über diesen Gegenstand können sich Gesunde dann theoretisch infizieren (siehe nächste Frage). Da Erbgut der Viren bei einigen Erkrankten in Stuhlproben gefunden wurde, ist es denkbar, dass sie sich auch auf dem sogenannten fäkal-oralen Infektionsweg verbreiten: Verbleiben nur kleinste Spuren von Stuhlresten an den Händen, können sie so über Schmierinfektionen wieder zum Mund gelangen. Ob sich Sars-CoV-2 so verbreitet, ist noch unklar.

 

Wie kann ich mich oder andere vor einer Ansteckung schützen?

Die WHO empfiehlt folgende Maßnahmen, die auch vor Erkältungs- und Grippeviren schützen:

  • regelmäßig Hände waschen und desinfizieren,
  • mindestens einen Meter Abstand halten von hustenden, niesenden Menschen, Augen, Nase und Mund nicht mit den Händen berühren, eine Atemschutzmaske tragen, wenn man selbst Symptome hat oder in die Ellenbeuge husten, Räume regelmäßig lüften, Oberflächen in der Umgebung von Erkrankten mit Desinfektionsmitteln säubern, die das Label "begrenzt viruzid plus" oder "viruzid" tragen.

RKI-Chef Lothar Wieler sagte zudem: "Wir empfehlen vor allem alten oder immunsupprimierten Menschen dringend, sich impfen zu lassen." Insbesondere Krankheiten wie die Grippe und Keuchhusten, aber auch Pneumokokken, könnten schwere Lungenentzündungen auslösen. Da auch die von Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19 mit einer schweren Lungenentzündung einhergehen kann, wäre diese Kombination besonders gefährlich.

 

Was kann man sonst noch tun?

Abgesehen davon schlug Wieler allgemeine Maßnahmen vor, die jeder Einzelne treffen kann: Dazu zählt etwa, Reisen zu reduzieren, Menschenmengen zu meiden und - dieser Rat richtete sich besonders an ältere Menschen - einen Lebensmittelvorrat anzulegen. "Menschen, die zur Risikogruppe gehören, etwa älteren Menschen, empfehlen wir, nur noch ein Mal pro Woche einkaufen zu gehen", sagte Wieler. "So vermeiden sie mögliche Kontakte mit Erkrankten."

 

Wie lange überdauern die Viren auf Gegenständen wie Türklinken? Kann man sich durch importierte Waren anstecken?

Eine exakte Antwort auf diese Frage gibt es noch nicht, bislang kann man sich ihr nur annähern. Das Robert Koch-Institut (RKI) schreibt, dass eine Übertragung auf diesen Wegen bislang nicht dokumentiert ist und ergänzt: "Eine Infektion mit Sars-CoV-2 über Oberflächen, die nicht zur direkten Umgebung eines symptomatischen Patienten gehören, wie zum Beispiel importierte Waren, Postsendungen oder Gepäck, erscheint daher unwahrscheinlich."

Bekannt ist allerdings, wie sich andere Coronaviren verhalten: "Als behüllte Viren überleben sie bei Raumtemperatur durchschnittlich vier Tage und sind infektiös", sagte der Vizepräsident des RKI, Lars Schaade, bei einer Pressekonferenz. Gelangen infektiöse Tröpfchen auf Gegenstände wie Türklinken, Armlehnen oder Bargeld und werden diese von Gesunden angefasst, kann das Virus so demnach übertragen werden, zumindest theoretisch. Händewaschen bietet davor den besten Schutz.

Der respiratorische Weg, also das Husten und Niesen, sei aber weiterhin der entscheidende Weg für die Übertragung, sagte Schaade. "Es gibt keinen Grund für Desinfektionsmaßnahmen in der Öffentlichkeit." In Krankenhäusern hingegen sei es sinnvoll, die Umgebung von Erkrankten zu desinfizieren.

 

Wie viel Zeit vergeht zwischen einer Ansteckung und dem Beginn der Erkrankung?

Die Inkubationszeit dauert bis zu zwei Wochen, aus diesem Grund werden Kontaktpersonen von Infizierten 14 Tage unter häusliche Quarantäne gestellt. Meist bricht die Erkrankung jedoch deutlich früher aus. Bei einem Fall in Baden-Württemberg etwa war das Virus schon nach zwei Tagen nachweisbar.

 

Wann sollte man sich auf das Virus testen lassen?

Als Verdachtsfall gilt, wer sich in einem Risikogebiet wie etwa Norditalien oder der chinesischen Region Hubei aufgehalten hat und Symptome hat; wer Kontakt zu einem Infizierten hatte und Symptome hat.

In Deutschland ist man inzwischen jedoch dazu übergegangen, auch stichprobenartig Menschen mit einer fraglichen Grippeerkrankung auf Sars-CoV-2 zu testen, um möglicherweise unentdeckte Übertragungen zu finden. Für den Test entnimmt der Arzt einen Abstrich aus dem oberen Hals-Nasen-Rachenraum und schickt diesen ins Labor. Die Kosten dafür tragen die gesetzlichen Krankenkassen.

 

Wie merke ich, dass ich infiziert bin?

Ein Problem des neuartigen Coronavirus ist, dass die Beschwerden nicht spezifisch sind, sondern denen einer Erkältung oder Grippe stark ähneln. Typisch sind Symptome wie Fieber, Husten, Halskratzen oder manchmal auch Schnupfen. Manche leiden zudem unter Durchfall. "Die meisten Erkrankten berichten von Fieber, wenn man mit ihnen spricht", sagte WHO-Experte Bruce Aylward, nachdem er von einer einwöchigen Reise in die betroffenen Gebiete in China zurückgekehrt ist. "Viele haben außerdem trockenen Husten, nur wenige eine laufende Nase." Bei einem schweren Krankheitsverlauf kommt es zusätzlich zu Atemproblemen und einer Lungenentzündung.

 

Wie wird behandelt?

Noch gibt es kein Medikament, das den Erreger bekämpft. In Studien wird aktuell jedoch getestet, ob existierende antivirale Medikamente - etwa gegen HIV - bei Covid-19 helfen. Bis Ergebnisse vorliegen, konzentriert sich die Therapie vor allem darauf, Beschwerden zu lindern und den Körper zu stärken. Dazu zählt etwa, den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen, schwer Erkrankte mit Sauerstoff zu versorgen oder sogar zu beatmen.

 

Wie lange dauert es, bis sich Erkrankte wieder erholen?

Das hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Die WHO geht aktuell davon aus, dass rund 80 Prozent der Erkrankungen leicht verlaufen, 13 Prozent schwer und sechs Prozent kritisch. Erfahrungen aus China haben gezeigt, dass sich Menschen mit einem leichten Krankheitsverlauf in der Regel innerhalb von zwei Wochen wieder erholen. Bei Menschen mit einem schweren Krankheitsverlauf dauert es zwischen drei und sechs Wochen. Bei einem kritischen Krankheitsverlauf hingegen geht es erst einmal darum, das Leben der Betroffenen zu retten. In diese Kategorie fallen Menschen mit Atemversagen, einer Sepsis oder Multiorganversagen.

 

Wer ist besonders gefährdet?

Ältere Menschen sind besonders gefährdet, dieses Kriterium trifft laut RKI-Chef Wieler "leider schon ab 60" zu. Bei einer Auswertung der ersten rund 1000 Todesfälle in China stieg die Sterblichkeit ab diesem Alter stark an:

  • Bei den 60- bis 69-Jährigen starben 3,6 Prozent der Erkrankten,
  • bei den 70- bis 79-Jährigen waren es acht Prozent und
  • bei den über 80-Jährigen 14,8 Prozent.
  • Die Höhe der Zahlen lässt sich allerdings nicht auf Europa übertragen, ein Großteil der ausgewerteten Todesfälle ereignete sich in Wuhan und Umgebung.
  • Neben dem Alter spielt das Geschlecht eine Rolle. Für Männer ist das Virus laut ersten Zahlen deutlich gefährlicher als für Frauen. Der Grund dafür sei unklar, sagte RKI-Chef Wieler. "Niemand weiß das. Das kann auch eine Verzerrung sein."
  • Der dritte Risikofaktor sind Vorerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Chronische Atemwegserkrankungen oder Krebs.
  •  

Was ist mit Kindern?

Kinder können zwar erkranken, allerdings passiert es deutlich seltener als bei Erwachsenen. Bei einer Auswertung von mehr als 70.000 Fällen aus China, die im Fachmagazin "Jama" veröffentlicht wurde, war nur ein Prozent der Betroffenen unter zehn Jahre alt, ein weiteres Prozent war zwischen zehn und 19 Jahre. Unter den ersten 1000 Todesfällen in China befand sich kein Kind unter zehn Jahren, nur ein Verstorbener war zwischen zehn und 19 Jahre alt.

Abgesehen davon scheinen Kinder das Virus auch nur selten weiterzugeben. "Wir haben bislang keinen Fall beobachtet, bei dem ein Kind einen Erwachsenen infiziert hat", sagte WHO-Experte Aylward. Die Gründe dafür sind noch unbekannt.

 

Kann man sich noch mal anstecken, wenn man schon einmal erkrankt war?

Abschließend können Wissenschaftler diese Frage noch nicht beantworten, dafür ist die Epidemie noch zu jung und die Inkubationszeit von rund 14 Tagen zu lang. Klar ist, dass der Körper im Rahmen der Infektion eine Immunität aufbaut, sich sein Immunsystem also mit dem Erreger auseinandersetzt und Antikörper bildet. Ob diese dann auch dauerhaft vor einer erneuten Infektion mit Sars-CoV-2 schützen, muss noch geklärt werden.

In Japan wurde eine Frau im Abstand von fünf Wochen zweimal positiv auf Sars-CoV-2 getestet, zwischenzeitlich hatte sie aber ein negatives Testergebnis. Ein Beweis, dass die Frau trotz Infektion keine Immunität entwickelt habe, sei das aber nicht, meinen Experten. "Eine Infektion kann im Körper schlummern und nur minimale Symptome auslösen", zitiert der britische "Guardian" den Pathologen Philip Tierno von der New York University School of Medicine. Wenn das Virus dann seinen Weg etwa in die Lungen finde, könne sich der Zustand wieder verschlimmern.

Florian Krammer, Virologe an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York hat noch eine Idee, wie das Ergebnis zustande kommen konnte: "Die einfachste Erklärung ist, dass die Proben zwischendurch negativ waren, weil etwas bei der Probennahme oder aber beim Testen schiefgelaufen ist."

 

Wie gefährlich ist Covid-19 im Vergleich zur Grippe?

"Die Raten an Verstorbenen sind höher als bei Grippe, wie viel höher müssen wir noch sehen", sagte Lothar Wieler, Leiter des Robert Koch-Instituts.

Nach Einschätzung einer WHO-Expertenkommission, die China eine Woche lang bereiste, sind in der besonders stark betroffenen Stadt Wuhan zwischen drei und vier Prozent der Erkrankten gestorben; im Rest von China liegt die Letalität bei 0,7 Prozent - also sieben von 1000 Erkrankten. Ursache der Unterschiede könnte unter anderem sein, dass in Wuhan milde Fälle eher übersehen wurden und am Anfang des Ausbruchs noch unklar war, wie Erkrankte behandelt werden müssen. Aus diesem Grund gelten die 0,7 Prozent als Anhaltspunkt für Europa, auch wenn nicht sicher ist, wie gut sich die Zahl übertragen lässt. Bestenfalls wird diese Zahl auch noch sinken.

Zum Vergleich: Bei einer Grippeerkrankung sterben zwischen 0,1 und 0,2 Prozent der Erkrankten. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand führt Covid-19 also deutlich häufiger zum Tod als die Grippe.

 

Wann kommt ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2?

Noch steht kein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zur Verfügung. Das Problem bei der Herstellung: Auch wenn Forscherinnen und Forscher heute schneller als früher in der Lage sind, Vakzine herzustellen, müssen diese hohen Sicherheitsanforderungen genügen. Sie müssen also nicht nur wirksam, sondern vor allem auch sicher und unschädlich sein. Das nachzuweisen, ist zeit- und kostenintensiv. 

Wann und ob überhaupt jemals ein Impfstoff einsatzbar sein wird, ist daher noch nicht sicher. Allerdings gibt es weltweit bereits mehrere Gruppen, die intensiv forschen: Zum Beispiel unterstützt die internationale Impfstoff-Initiative Cepi drei verschiedene Programme, die europäische Arzneimittelbehörde Ema will geeignete Kandidaten in einem beschleunigten Verfahren zulassen und die Gates-Foundation fungiert als einer der Geldgeber.

Auch wenn es lange dauert und ein Erfolg nicht garantiert ist: Ein Impfstoff ist deswegen so wichtig zu entwickeln, weil bislang noch nicht klar ist, wie sich das Virus Sars-CoV-2 in Zukunft verhalten wird. So ist es denkbar, dass es ähnlich wie die Grippe saisonal immer wieder neu auftaucht oder sogar durchgehend das ganze Jahr kursiert.

 

Wird das Virus durch Mutationen gefährlicher?

Es ist normal, dass ein Coronavirus mutiert. "Wenn ein Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, kommt es zu sogenannten Anpassungsmutationen", sagte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. Das bedeute allerdings nicht, dass die Erkrankung automatisch gefährlicher wird. Es könne sogar genau das Gegenteil heißen: "Manchmal beobachten wir bei Viren im Rahmen der Anpassung sogar eine Abschwächung der Pathogenese."

Bei Sars-CoV-2 gibt es aktuell keine Hinweise, dass es stark mutiert. Eine Expertenmission von WHO und China hat das Erbgut von mehr als 100 Stämmen des neuartigen Coronavirus analysiert, die Proben wurden an verschiedenen Orten in China genommen. Die Ergebnisse stimmten zu 99,9 Prozent überein.

 

Was sind die Notfallpläne, wenn es in Deutschland zu einem großen Ausbruch kommt?

Aktuell ist noch das Ziel in Deutschland, die Ausbrüche einzudämmen. Dafür ist es wichtig, alle Infektionsketten nachzuverfolgen und alle Kontaktpersonen von Infizierten für 14 Tage unter häusliche Quarantäne zu stellen. Ziel ist es, Infektionen so früh wie möglich zu erkennen und dadurch eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Aktuell gibt es bereits Fälle, bei denen der Ursprung der Infektion nicht bekannt ist. Dann geht es darum, die Verbreitung zu verlangsamen - unter anderem, um noch mehr über die Eigenschaften des Virus zu erfahren und ein Zusammentreffen mit der aktuell noch kursierenden Grippe zu verhindern.

Treten mehr Fälle auf, die nicht mehr auf einen bereits bekannten Fall zurückzuführen ist, rät das Robert Koch-Institut dazu, die Strategie schrittweise anzupassen. "Dann konzentriert sich der Schutz stärker auf Personen und Gruppen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe aufweisen", schreibt das Institut.

Quelle: Spiegel Gesundheit

Juli 2020

Reporter ohne Grenzen (RSF) ist äußerst besorgt über die wiederholten Angriffe auf die Pressefreiheit in Deutschland in den vergangenen Wochen. Mehrmals wurden Journalistinnen und Journalisten unter anderem am Rande von Protesten gegen Corona-Maßnahmen und Versammlungen zum 1. Mai attackiert. In sozialen Medien berichteten Medienschaffende von Drohungen und Einschränkungen bei der Arbeit. Mehrere Redaktionen haben laut einem Zeitungsbericht Morddrohungen erhalten.

„Wer Journalistinnen und Journalisten angreift, greift das Grundrecht auf Pressefreiheit an. Gerade in Zeiten einer Pandemie müssen Medienschaffende frei und ohne Angst vor Gewalt berichten können, um die Bevölkerung zu informieren und eine freie Meinungsbildung zu ermöglichen“, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen.

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