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"Alle ethischen Prinzipien verletzt" : Palliativmediziner beklagt falschen Umgang mit Covid-19-Patienten - und fordert Umdenken

dpa/Roland Weihrauch/dpa: An einem Intensivbett für Corona-Patienten zeigt ein Arzt, die Funktionsweise eines Beatmungsgerätes.
Samstag, 11.04.2020

Immer wieder geht es in der Corona-Krise um die Frage, wie viele Intensivbetten bereit stehen für die Behandlung von Covid-19-Patienten. Ein Palliativmedizinier beklagt nun das aus seiner Sicht völlig falsche Vorgehen. Man sollte Patienten mit Vorerkrankungen im hohen Alter vor die Wahl stellen, ob sie die Strapazen einer solchen Behandlung überhaupt auf sich nehmen wollen.

Matthias Thöns moniert im Interview mit dem "Deutschlandfunk" eine "sehr einseitige Ausrichtung auf die Intensivbehandlung" von Patienten in der Coronakrise. Der Palliativmediziner fordert: Ältere Patienten mit Vorerkrankungen müssen besser aufgeklärt werden, über die Strapazen und möglichen schwerwiegenden Folgen einer Intensivtherapie.

Die Anzahl der Intensivbetten sowie der Intensivbetten mit Beatmungsgeräten in Deutschland findet aktuell in jedem Pressebriefing des Robert-Koch-Instituts (RKI) und vielen Statements von Politikern und Virologen Erwähnung. Gebetsmühlenartig wiederholt RKI-Chef Lothar Wieler, dass eine ausreichende Versorgung für spätere Hochphasen der Covid-19-Pandemie gewährleistet sein müsse.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Donnerstag gesagt, dass derzeit rund 3000 Covid-Patienten in Intensiv-Behandlung seien. Mehr als 10.000 Intensivbetten seien aktuell frei - Deutschlands Kliniken sehen sich auch für Ostern gut gewapnnet.

Palliativmediziner Thöns sieht die Ausrichtung auf die Intensivbehandlung von Corona-Patienten aber kritisch und warnt vor ethischen Problemen. "Die Politik hat jetzt eine sehr einseitige Ausrichtung auf die Intensivbehandlung, auf das Kaufen neuer Beatmungsgeräte, auf Ausloben von Intensivbetten", sagte der Arzt aus Nordrhein-Westfalen dem "Deutschlandfunk".

Häufig handele es sich aber um eine Gruppe im hohen Alter, die zum Teil auch an Vorerkrankungen leide. "Also es ist eine Gruppe, die üblicherweise und bislang immer mehr Palliativmedizin bekommen hat als Intensivmedizin", sagt Thöns und kritisiert den Umgang mit den Patienten in der Corona-Krise. "Jetzt wird so eine neue Erkrankung diagnostiziert und da macht man aus diesen ganzen Patienten Intensivpatienten."

Der Nutzen dieser Behandlung sei laut Thöns minimal. Laut einer chinesischen Studie, auf die sich der Mediziner beruft, würden "97 Prozent trotz Maximaltherapie versterben – so eine Intensivtherapie ist leidvoll, da stimmt ja schon das Verhältnis zwischen Nutzen und Schaden kaum."

 

"Falsche Prioritäten gesetzt und alle ethischen Prinzipien verletzt"

 

Man könne ab einem bestimmten Alter und mit entsprechenden Vorerkrankungen nur ganz wenige Menschen retten und ein Großteil der Geretteten verbliebe nach wenigen Wochen schwerstbehindert. "Ich sehe, das sind sehr falsche Prioritäten und es werden ja auch alle ethischen Prinzipien verletzt, die wir so kennen", kritisiert der Arzt. Zu häufig würden auch Patientenverfügungen, die eine Beatmung ablehnen oder Wünsche der zu Behandelnden nicht beachtet.

Das sei laut Thöns verwerflich. "Der Wille geht über die Indikation", betont der Mediziner und fordert ein anderes Vorgehen. "Man sollte die Patienten tatsächlich ehrlich aufklären, dass Intensivmedizin nur mit minimalen Rettungschancen bei hoher Leidenslast durch die Intensivmedizin einhergeht."

 

Palliativmediziner plädiert für Aufklärung zur Intensivmedizin - Patienten sollen selbst entscheiden

 

Man müsse den Menschen die Frage stellen, ob sie isoliert von ihrer Familie auf der Intensivstation liegen und beatmet werden oder mit dem Risiko, nicht zu überleben, aber mit gelindertem Leid zu Hause bleiben möchten. "Ich sage Ihnen, die meisten alten Menschen werden diesen zweiten Weg gehen, wenn man denen das ehrlich sagt", glaubt Thöns.

In diesem Zusammenhang lobt der Palliativmediziner die Sonderreglung, dass Menschen, die im Pflegeheim im Sterben liegen, Besuch bekommen dürfen. "Im Pflegeheim sind sie zumindest nicht mehr von ihrer Familie getrennt, wenn sie sich für Palliativversorgung entscheiden. Auf der Intensivstation bleiben sie getrennt."

Einwandfreies, ethisches Handeln in einer Pandemie "versuche man zumindest" zu schaffen. Die Rahmenbedingungen schwierigen Triageentscheidungen auf den Intensivstationen der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin seien "ethisch schon ganz gut. Besser wäre natürlich, klar, wevmedizin wollen."nn man von vornherein nur die Patienten mit dem Rettungsdienst in die Klinik bringt, die auch Intensivmedizin wollen."

Quelle Text und Titelfoto:

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„Wer Journalistinnen und Journalisten angreift, greift das Grundrecht auf Pressefreiheit an. Gerade in Zeiten einer Pandemie müssen Medienschaffende frei und ohne Angst vor Gewalt berichten können, um die Bevölkerung zu informieren und eine freie Meinungsbildung zu ermöglichen“, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen.

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