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Hohe Ansteckungsgefahr: Wo und wie sich das Coronavirus am häufigsten verbreitet

 
Aktualisiert am 18. Januar 2021
  • Faktoren wie kleine Räume, trockene Luft und seltenes Durchlüften begünstigen eine Übertragung von SARS-CoV-2.
  • Im Internet gibt es sogar einen Rechner, der die Ansteckungswahrscheinlichkeit anzeigen kann.
  • Von Raumluftreiniger bis antivirale Medikamente: So senken Sie die Infektionsgefahr.

Vor etwa einem Jahr nahm die Corona-Pandemie in der chinesischen Stadt Wuhan ihren Anfang. Seitdem ist SARS-CoV-2 an vielen Instituten weltweit zum Forschungsobjekt Nr. 1 avanciert.

Zwar sind noch viele Fragen ungeklärt, aber die beachtliche Anzahl an Studien brachte bereits wichtige Erkenntnisse hervor. So zeichnet sich beim Thema Ansteckung ab, dass vor allem private Treffen in Räumen, Spreader-Events und rege Reisetätigkeit zur Verbreitung des Virus beigetragen haben.

Dazu hat ein Forschungsteam der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore mehrere Studien in einer sogenannten Meta-Analyse ausgewertet. Demnach erfolgten 46 bis 66 Prozent der Infektionen mit dem Coronavirus in privaten Haushalten, gefolgt von Sammelunterkünften und Pflegeheimen, wo Menschen auf einem begrenzten Platz zusammenleben.

 

RKI: Unterschiedliche Orte der Ansteckung

 

Ähnliche Ergebnisse hat das Robert-Koch-Institut (RKI) für Deutschland festgestellt. Seit Beginn der Pandemie werten die Wissenschaftler Orte der Ansteckung bei mehr als fünf Fällen in einer Zeitreihe auf. Demnach waren im Frühjahr Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser und Flüchtlingsheime ein wahrscheinliches Infektionsumfeld.

Im späten Frühjahr und in den frühen Sommermonaten wurde häufig der Arbeitsplatz angegeben. Seit Sommer stellt die Anzahl der Ausbrüche in privaten Haushalten, neben dem Arbeitsplatz und Freizeitaktivitäten, den größten Anteil an Ausbruchsituationen dar. In den Herbstmonaten steigt wieder die Anzahl von Fällen in Alten- und Pflegeheimen.

Die Wissenschaftler des RKI weisen allerdings darauf hin, dass nur etwa ein Viertel der insgesamt gemeldeten COVID-19-Erkrankungen einem Ausbruch zugeordnet werden kann.

Coronavirus: Wo es Spreader-Events gibt

Ein treibender Faktor sind Spreader-Events. Das heißt, bei einer Veranstaltung oder an einem Ort steckt ein Infizierter viele Menschen an. Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts haben mehrere Fälle solcher Spreader-Events zusammengetragen.

Demnach kam es zu größeren Ausbrüchen von COVID-19-Erkrankungen nach Chorproben, in Fitnessstudios, bei religiösen Veranstaltungen und in fleischverarbeitenden Betrieben. Faktoren wie geringe Fläche und wenig Frischluftzufuhr, längerer Aufenthalt sowie Aktivitäten mit gesteigerter Atemtätigkeit wie Schreien, Singen, Sporttreiben oder andere schwere körperliche Aktivität steigern die Infektionswahrscheinlichkeit.

Wesentlich für die Infektionsübertragung sind neben Größe und Durchlüftung auch die Temperatur und die Luftfeuchte, die in den Räumen vorherrschen. Das haben unter anderem Forscher von der Marshall University in West Virginia untersucht. "Das Virus ist stabiler bei niedrigen Temperaturen und einer geringen Luftfeuchte, während hohe Temperaturen und eine höhere Luftfeuchte die Lebenszeit verkürzen", schreiben M. Jeremiah Matson und seine Kollegen.

Bei trockenen Räumen kommt noch hinzu, dass die Schleimhäute austrocknen und deren Schutzfunktion somit beeinträchtigt ist.

Rechner liefert Infektionswahrscheinlichkeit

Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie haben basierend auf Erkenntnissen zur Ausbreitung des Virus in Räumen einen Risikorechner programmiert. Als Nutzer muss man in das Internetprogramm namens "COVID 19 Aerosol Transmission Risk Calculator" Daten zur Zimmergröße, Tätigkeit eines möglichen Infizierten, Maskenart und Luftaustausch eingeben. Anschließend kann man sich berechnen lassen, wie gefährlich die Situation ist oder eben war, falls man von einer Infektion eines anderen Anwesenden erfahren hat.

Inwiefern Veranstaltungen im Außenbereich zu Spreader-Events werden können, ist bis heute umstritten. Generell ist das Luftvolumen draußen viel größer und die Viren tragenden Partikel werden direkt in der Luft verwirbelt. Im Frühjahr wurden zwar gestiegene Corona-Zahlen nach Großevents wie beispielsweise nach einem Fußballspiel zwischen Bergamo und Valencia oder nach einer Frauenrechte-Demonstration in Madrid festgestellt.

Allerdings sollen dort kaum Masken getragen und keine Abstandsregeln eingehalten worden sein. Und ob sich die Menschen direkt im Stadion oder beispielsweise bei der An- und Abfahrt in Bussen oder beim Gang auf die Toiletten angesteckt haben, lässt sich im Nachhinein schwer feststellen.

 

Weihnachten könnte gefährlich werden

 

Der Feiertag Thanksgiving in den USA am 26. November könnte ein Spreader-Event gewesen sein. US-Chefvirologe Anthony Fauci warnte bereits vor diesem wichtigsten amerikanischen Familienfest, dass Thanksgiving der Corona-Ausbreitung in den USA nochmal einen Schub geben wird.

Ein wichtiger Grund dafür sind die Reisen quer durchs Land, die ebenfalls zu den wichtigen Verbreitungsarten des Virus zählen. Die Infektionszahlen in den USA hatten sich vor und um Thanksgiving etwas stabilisiert, mittlerweile steigen sie wieder stark an, was Faucis These bestätigen würde.

Um eine starke Ausbreitung und damit mögliche Spreader-Events in Deutschland zu Weihnachten zu verhindern, hat die Bundesregierung zwischen dem 24. bis zum 26. Dezember die Besucherzahl für jeden gastgebenden Haushalt auf vier weitere Personen begrenzt - je nach Bundesland sind Kinder unter 15 Jahren beziehungsweise 14 Jahren ausgenommen.

 

Wie das Virus übertragen wird

 

Coronaviren werden über virushaltige Teilchen in der Luft übertragen, die beim Ausatmen, Husten, Sprechen, Singen und Niesen eines Infizierten entstehen. Bei den Partikeln als Träger handelt es sich entweder um Tröpfchen oder um noch kleinere Schwebeteilchen in der Luft, die sogenannten Aerosole.

Während größere virushaltige Tröpfchen schnell zu Boden sinken, können Aerosole auch über längere Zeit in der Luft schweben und sich in geschlossenen Räumen verteilen. Dadurch kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 Meter erhöhen.

Sind die Viren von einer Person zur anderen übertragen worden, vermehrt sich SARS-CoV-2 im Rachenraum und erreicht dort bereits in den ersten fünf Tagen nach Symptombeginn die höchste Viruslast. Dies könnte ein Grund für die rasche Ausbreitung sein, erklärt Muge Cevik von der University of St. Andrews, der mit seinem Team dazu mehrere Studien ausgewertet hat. Darüber hinaus stecken sich viele Menschen bei infektiösen Personen innerhalb von ein bis zwei Tagen vor deren Symptombeginn an. Schließlich gibt es noch Ansteckungen durch Personen, die zwar infektiös sind, aber selbst nicht krank werden - die sogenannte asymptomatische Übertragung.

 

Was die Infektionsgefahr senken kann

 

Neben dem Lüften von Räumen wurde getestet, inwiefern technische Raumluftreiniger die Viruslast in geschlossenen Räumen senken können. In einer Studie der Bundeswehr erzielten diese Geräte besonders für Klassenzimmer gute Ergebnisse.

Für Sicherheit müssten die Luftreiniger allerdings sechs Luftwechsel pro Stunde ermöglichen: für einen 80 Quadratmeter großen Raum mit einem Volumen von 200 Kubikmeter wären das also mindestens 1.200 Kubikmeter pro Stunde.

Die Welt hofft derweil auf die positiven Effekte von Impfstoffen - und auf viele Menschen, die sich freiwillig impfen lassen. Erst bei einer Immunisierung von etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung könnte eine Ausbreitung des Coronavirus kontrolliert und langfristig auch gestoppt werden. Es gebe einige Studien, die zeigten, dass diese Anzahl notwendig ist, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, sagte Katherine O’Brien, oberste Impf-Expertin der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Neben Impfstoffen gibt es Medikamente, die bei einer Infektion mit dem Virus nicht nur den gesundheitlichen Zustand des Infizierten verbessern sollen, sondern auch die Ansteckungsgefahr auf andere Menschen senken.

In der Wissenschaft steht momentan das Mittel Molnupiravir im Fokus. Bei Tierversuchen mit Frettchen entdeckten Forscher, dass das antivirale Medikament die Virusübertragung innerhalb von 24 Stunden unterdrücken kann, wie in einer Veröffentlichung im Fachmagazin "Nature Microbiology" nachzulesen ist. Das eigentlich als Grippemedikament entwickelte Therapeutikum soll die Vermehrung der Viren bremsen, indem es Mutationen in die RNA des Coronavirus einbaut. Mittlerweile laufen mehrere klinische Studien mit Molnupiravir.

 

Viren überleben auf Oberflächen

 

Letztes Thema, das Überleben des Coronavirus auf Oberflächen: Auf der Haut können die Viren bis zu elf Stunden überdauern. Das haben japanische Wissenschaftler herausgefunden. Aber hier gibt es ein einfaches Gegenmittel: Als die Forscher ein Ethanol-basiertes Desinfektionsmittel auf die infizierte Körperstelle auftrugen, waren die Viren innerhalb von fünfzehn Sekunden abgetötet.

Coronaviren können auch längere Zeit auf unbelebten Oberflächen überleben. So konnten US-Forscher zeigen, dass die Keime am längsten auf Kunststoff und Edelstahl aktiv sind. Bis zu drei Tage können die Viren beispielsweise auf Türklinken oder an Haltestangen im Bus ansteckend sein.

Anders als bei Noroviren ist eine Übertragung des Coronavirus über kontaminierte Oberflächen auf Menschen bislang nicht bewiesen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt dazu: "Für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen, wodurch nachfolgend Infektionen beim Menschen aufgetreten wären, gibt es derzeit keine belastbaren Belege." Die Bundesbehörde warnt dennoch, dass Schmierinfektionen über Oberflächen nicht ausgeschlossen werden könnten.

Laut BfR gibt es bislang auch keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel mit dem Coronavirus infiziert haben.

 

Verwendete Quellen:

  • Bundesinstitut für Risikobewertung: "Kann das neuartige Coronavirus über Lebensmittel und Gegenstände übertragen werden?"
  • Informationsportal Springermedizin: "Eine Übersicht über aktuelle Studien zum Coronavirus"
  • Oxford Academic: "Survival of Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) and Influenza Virus on Human Skin: Importance of Hand Hygiene in Coronavirus Disease 2019 (COVID-19)"
  • Zeitschrift Science: "Meta-Analyse zur Ausbreitung des Coronavirus"

 

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