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foodwatch: Wir verklagen Aldi

Redaktion, 5.12.2020

Hallo und guten Tag liebe fav-report-Fans,

 

Supermärkte und Discounter haben das Thema Tierschutz für ihr Marketing entdeckt – so auch Aldi und Lidl. „Als erster Lebensmittelhändler beendet ALDI das Kükentöten“ verkündete Aldi im Frühjahr auf seiner Internetseite. Lidl zog nach und versprach im August in einem Werbeprospekt, mit dem Kükentöten "jetzt Schluss" zu machen, denn man habe ein „Herz für Küken“. Hört sich gut an. Doch korrekt müssten die Werbeversprechen lauten: „Wir schaffen das Kükentöten bald ein bisschen ab“ oder „ALDI beendet das Kükentöten bis 2022 vielleicht etwas“. Denn Aldi und Lidl verschwiegen, dass es nur um die als Schaleneier verkauften Eier geht – nicht aber um die Eier, die in Lebensmitteln wie Nudeln, Backwaren oder Fertiggerichten verwendet werden. Dabei steckt rund jedes zweite in Deutschland konsumierte Ei in verarbeiteten Lebensmitteln. Die Discounter wollen das Kükentöten also keinesfalls grundsätzlich, sondern nur für einen Teil ihres Sortiments beenden. Obendrein suggerieren Aldi und Lidl, man habe das Kükentöten bereits abgeschafft. Weit gefehlt: Sie haben lediglich das Ziel ausgegeben, bis 2022 das Schaleneier-Sortiment umzustellen.

Wir finden, das ist eine unverschämte Täuschung der Verbraucherinnen und Verbraucher! Darum haben wir die Konzerne abgemahnt. Lidl lenkte daraufhin ein und stoppte die irreführende Werbung. Aldi zeigte sich hingegen uneinsichtig. Deshalb haben wir jetzt Klage gegen Aldi eingereicht.

© Adobe Stock_voren1
 
"Wir bestätigen Ihnen, dass Lidl die von Ihnen monierte Werbung nicht mehr verwendet."
-Christof Mross, Geschäftsführer Einkauf von Lidl Deutschland
 

Irreführung ist inakzeptabel, klar – aber vielleicht fragen Sie sich: Sind die Initiativen der Discounter nicht doch ein Schritt in die richtige Richtung? Denn die gängige Praxis ist schließlich grauenhaft: Noch immer werden laut Bundesagrarministerium jährlich etwa 45 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet, weil sie keine Eier legen und als auf maximale Legeleistung gezüchtete Rasse kaum Fleisch ansetzen – also wirtschaftlich wertlos sind. Ist es da kein Fortschritt, wenn Aldi und Lidl, zumindest für Schaleneier, zukünftig die Geschlechtsbestimmung im Ei nutzen möchten? Bei dieser Methode werden die männlichen Hühnerembryonen bereits im Ei identifiziert und gar nicht erst ausgebrütet, sondern zum Beispiel in Futtermitteln weiterverarbeitet.

Tatsächlich ist die Geschlechtsbestimmung im Ei ein erster Schritt weg vom massenhaften Kükentöten. Doch das Kükentöten selbst ist nur ein Symptom eines die Tiere krank machenden Agrarsystems, das grundlegend verändert werden muss. Denn das eigentliche Problem sind die einseitig hochgezüchteten Hühnerrassen: Die auf maximale Legeleistung getrimmten Hennen produzieren wie am Fließband Eier – und leiden dabei oft unter Schmerzen und Knochenbrüchen, weil ihnen die vielen Eier das Kalzium für den eigenen Skelettbau entziehen. Und die Aufzucht der „Bruderhähne“ lohnt wirtschaftlich nicht, weil die Hähne der Legehühner kaum Fleisch ansetzen. Masthühner wiederum sind nur darauf gezüchtet, möglichst schnell Fleisch anzusetzen und können körperlich der enormen Geschwindigkeit ihrer Gewichtszunahme nicht standhalten – schlachtreif in 35 Tagen, nach einem Leben voller Schmerzen.

In der Hühnerhaltung muss deshalb grundsätzlich umgesteuert werden. foodwatch fordert, statt der Geschlechtsbestimmung im Ei auf Zweinutzungshühner zu setzen. Diese robusteren und weniger krankheitsanfälligen Rassen eignen sich sowohl für die Eier- als auch zur Fleischproduktion. Außerdem brauchen wir endlich gesetzliche Vorgaben, die dafür sorgen, dass der Gesundheitszustand in jedem Tierhaltungsbetrieb genau erfasst und ausgewertet werden muss. Die allermeisten Krankheiten sind nämlich vermeidbar! Wir haben ein Recht darauf, dass uns keine Eier von kranken und teils unter massiven Schmerzen leidenden Hühnern vorgesetzt werden – egal, ob ihre Eier als Schaleneier verkauft werden oder in verarbeiteten Produkten landen. Höchste Zeit, dass Lidl und Aldi dafür sorgen. Die Macht dazu haben sie.

P.S.: Wir finden: Wenn wir Tiere halten, um Milch, Eier und Fleisch zu erzeugen, ist es unsere Pflicht dafür zu sorgen, dass sie nicht leiden und keine vermeidbaren Schmerzen ertragen müssen. Doch genau das ist leider täglich und millionenfach der Fall. Deshalb fordern wir einen echten Systemwechsel in der Tierhaltung – und wehren uns gegen irreführende Scheinlösungen, mit denen wir Verbraucherinnen und Verbraucher abspeist werden sollen, während die Tierqual weitergeht! Bitte helfen Sie uns dabei, am besten mit einer Mitgliedschaft. Und falls Ihnen noch ein Geschenk fehlt: Eine Fördermitgliedschaft können Sie jetzt auch verschenken – einfach Formular ausfüllen und Geschenkurkunde per E-Mail erhalten!
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Ihr Matthias Wolfschmidt

September 2022

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ISBN-Nr.: 978-3-86461-030-1, 106 Seiten,  Hochglanz-Cover,

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